Im folgenden wird die Historie der Hexenzunft Obernheim aufgezeigt:

im Jahre 1940

1940 macht der 2. Weltkrieg dieser Brauchtumspflege bald ein jähes Ende. Alle Kostüme und Spinnstoffwaren wurden gemäß dem Aufruf des Führers dem “Deutschen Volksopfer” abgeliefert.
1950

11. November 1950

Am 11. November 1950 wird beschlossen, das traditionelle Fasnetsbrauchtum wieder aufleben zu lassen.

im Jahre 1951

Zur Fasnet 1951 werden am Schmotzigen Donnerstag die Schüler aus dem Unterricht befreit und die Kindergartenkinder besucht. Nach dem Kinderumzug erhalten die Kinder Wurst und Wecken.

24. Februar 1952

Am 24. Februar 1952 findet ein Umzug, Hexenbaumsetzen, Hexentanz und Hexenprozeß mit Hexenverbrennung erstmalig vor dem Rathaus statt. Um dem Hexengericht ein mittelalterliches Gepräge zu verleihen, wird eine Gerichtsinstanz geschaffen. Die Hexen führen zu den Klängen des Hexenmarsches ihren Hexentanz auf. Anderntags wird eine Kinderfasnet veranstaltet.

im Jahre 1957

Ab 1957 werden Prunksitzungen mit Programm unter Mitwirkung des Musikvereins im Saal des Gasthauses “Krone” veranstaltet.

1960

12. Februar 1960

Am 12. Februar 1960 wird eine “gründlich ausgefeilte” Satzung verabschiedet. Die Hexengruppe umfaßt 60 Masken. Im gleichen Jahr werden Kunststoffmasken verwendet.

im Jahre 1965

Ab 1965 wird dem Ritter Konradin eine Gemahlin (Burgfrau) und 4 Hofdamen an die Seite gegeben. Das Ritterpaar fährt zusammen mit den Hofdamen und Landsknechten auf einer symbolisch nachgebauten Ritterburg durch den Umzug.

24. Februar 1968

Am Fasnetsamstag, den 24. Februar 1968 findet die 1. Prunksitzung, ein Vorläufer des beliebten Zunftabends, erstmalig in der Festhalle statt. Im selben Jahr wird eine organisierte Kinderfasnet zusammen mit dem Narrenvater veranstaltet.

im Jahre 1969

“S’ Fasnetslied: Nun rüstet euch ihr Bürger all …” ist eine Komposition von Gustav Lotterer, Möhringen aus dem Jahre 1969.

1970

im Jahre 1971

Bis 1971 sind Prinz (Karneval) und Prinzessin feste Bestandteile des Fasnetsgeschehens.

12. November 1971

Am 12.11.1971 beschließt die Generalversammlung die Umbennenung von “Narrenzunft” in “Hexenzunft”. Der “Elferrat” wird ab dato “Zunftrat” genannt.

im Jahre 1974

Durch die Mitwirkung der Hexengruppe, des Balletts und des Zunftrates bei der DRK-Behindertenfasnet, leistet die Hexenzunft seit 1974 ihren Beitrag zur Behindertenarbeit.

19.01.1974

Aufnahme in die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e. V. (Landschaft Neckar-Alb) in Mühlheim/Donau.

August 1974

Einzug in den Narrenschopf Bad Dürrheim mit Teufel, Hexe und alter Kinderhexe.

1975

Einführung des Hexentanzes zu den Klängen des Hexenmarsches.

1977

Bezug der Zunftstube mit Archiv im Dachgeschoss des Rathauses.

27. - 29. Januar 1979

40-jähriges Jubiläum und Narrentreffen der Fasnetslandschaft Neckar-Alb innerhalb der VSAN.

Oktober 1979

Einzug der Obernheimer Hexe in das europäische Fasnachtsmuseum in Binche bei Brüssel (Belgien).

10. November 1979

Am 10. November 1979 erfolgt die Eintragung in das Vereinsregister als “Hexenzunft Obernheim e. V.”, nachdem eine ordentliche Satzung ausgearbeitet wurde. Die gebräuchliche Abkürzung lautet “H Z O”.

1980

Dezember 1980

Schultertuchausstellung in der Zunftstube mit Prämierung der besten Stücke.

1980

Einzug in die Schloßnarrenstuben Bonndorf (Museum Theo Hany) mit Obernheimer Miniaturhexle.

April 1980

Die Hexenzunft wird Mitglied im „Verein Narrenschopf e. V.“

September 1982

Erstellung einer siebeneckigen Hexenbank um das Hexenbäumlein auf dem Burg- bzw. Hexenbühl.

1987

Bezug der Lagerräume im renovierten „Haus der Vereine“ (altes Schulhaus).

Februar 1987

Närrischer Staatsempfang beim Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg Dr. h. c. Lothar Späth in der Villa Reitzenstein.

27. - 29.01.1989

50-jähriges Jubiläum mit Fotodokumentation und Narrentreffen der Fasnetslandschaft Neckar-Alb innerhalb der VSAN.
1990

im Jahre 1991

Im Jahr 1991 wird die Fasnet wegen dem Krieg am Persischen Golf abgesagt. Es ist moralisch und wegen der Einflussnahme der Medien nicht vertretbar, während Auseinandersetzungen mit passiver Beteiligung deutscher Truppenteile, Fasnetsveranstaltungen abzuhalten.

1992

Närrischer Empfang im Regierungspräsidium Tübingen. Regierungspräsident Dr. Max Göggler wird im Hexenkessel gesotten.

1992

Großes Narrentreffen in Bad Canstatt. Liveübertragung des Umzuges im 3. Fernsehprogramm.

1993

Hexentanz bei „Gala für Stand und Land“ des Schweizer Fernsehens DRS in Lauffenburg/Schweiz zusammen mit der Musikkapelle „Lyra“.

11. - 12. Juni 1994

Übergabe der Figurengruppe „Hexeneck“ am Ortseingang.

September 1995

Aufzeichnung von „Hexenmarsch“ und „Fasnetslied“ im Tonstudio zusammen mit dem Musikverein „Lyra“ und dem Männergesangverein „Harmonie“ Obernheim.

im Jahre 1996

Ab 1996 wird ein neugestalteter Hexenprozess aufgeführt, nachdem die Sensibilität in der Öffentlichkeit gegenüber Hexenverbrennungen zugenommen hat. Anstelle der Hexe “Unholda Moserin” wird eine geschlechtslose Wintergestalt aus Stroh verurteilt und im Feuer verbrannt.

01. Februar 1997

Närrischer Empfang im Regierungspräsidium Tübingen. Regierungspräsident Huber Wicker wird im Hexenkessel gesotten.
2000

14. - 16. Februar 2001

Maskenvorstellung in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin unter Anwesenheit des Ministerpräsidenten Erwin Teufel. Umzug durch das Brandenburger Tor und Besuch im Reichstag.

2002

Närrischer Staatsempfang beim Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg Erwin Teufel in der Villa Reitzenstein. Der Landesvater kommt in den Hexenkessel und wird zur Ehrenhexe „Unholda Teufelin“ ernannt.
Besen

geschichtliche Hintergründe:

Der Heuberg galt als einer der Versammlungsorte der Hexen. In diesem Zusammenhang nennt die Literatur den “Hexenbühl” bei Obernheim als Treffpunkt der Hexen in der Walpurgisnacht (30. April). Der “Hexenbühl” mit seinen 970 Höhenmetern wird in Flur- und Wanderkarten auch als “Hexenbuckel” ausgewiesen. Im Jahre 1506 wird der Hexenbühl mit seinem Hexenbäumlein erstmals urkundlich erwähnt.

Ein solches Bäumlein erwähnt eine gewisse URSULA FINEISEN aus Mühlheim, als sie im Jahre 1608 zu Protokoll gab, daß ein böser Geist zu ihr gekommen sei, und sie aufgefordert habe, mit ihm zum Tanze zu kommen. Sie habe sich hinter ihn auf einen Stecken gesetzt und sei mit ihm auf den Heuberg zu des “Unholds Bömle” geflogen.

MARTIN CRUSIUS schreibt in seinem Buch “Schwäbische Chronik” im Jahre 1733: “Nicht weit von Balingen ist der berühmte Berg, den man den Heuberg nennet, und von welchem man vorgibt, daß die Hexen auf demselben zusammenkommen und ihre Teuffels-Spiele haben.“

In “Beiträge zur Geschichte der Stadt Rottweil am Neckar” von dem ehemaligen Hofgerichts-Assessor VON LANGEN erfahren wir aus dem Jahre 1821: “Noch gehet die Sage von dem sogenannten dürren Bäumlein, zwischen Obernheim und Deilingen, daß da die Hexentänze gehalten worden seyen, darum es niemals Laub getrieben habe, ob es gleich immer grün gewesen.”

1852 erscheinen “Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben” von Professor ERNST MEIER: “Auf dem Heuberge zwischen Balingen und Tuttlingen ist der Hauptzusammenkunftsplatz der Hexen. Es befindet sich hier bei dem Dorfe Obernheim, auf dem sogenannten Burgbühl, einem einzeln stehenden Kegel, das Hexenbäumle, unter welchem die Hexen ihre Tänze aufführen. … Auf dem Heuberge bei Obernheim steht ein Baum, der das ‘Hexenbäumle’ genannt wird, weil hier die Hexen alle Woche einmal tanzen.“

Dr. ANTON BIRLINGER berichtet in seinem Buch “Volkstümliches aus Schwaben” im Jahr 1861: “Auf dem Heuberg ist irgendwo das “Hexenbäumlein”, das Nachts und bei Tag ein gefürchteter Ort ist. Nachts geht man nicht gerne dort vorbei. Die Hexen halten da ihre Tänze.”

In der “Beschreibung des Oberamtes Spaichingen” von 1876 erscheint folgender Auszug: “Auf dem 1/4 Stunde nordwestlich vom Ort sich frei erhebenden Burgbühl … stand eine Burg; man findet daselbst noch Spuren von Mauerwerk … Zunächst des Burgbühls liegt der sog. Hexenbuckel, auf ihm stand früher das Hexenbäumlein, unter dem sich nach der Volkssage die Hexen am Sabbath zu versammeln pflegten. Der Heuberg galt überhaupt den Umwohnern nicht bloß für den Tummelplatz der Hexen …“

JOSEF ZEPF schreibt 1958 in “Das Sagenbuch aus dem Donau-Bergland um Tuttlingen“: “Am alten Weg von Obernheim über Tanneck nach Deilingen liegt eine beherrschende Höhe, der Burgbühl. … Der Burgbühl heißt auch Hexenbühl. Auf seiner höchsten Erhebung stand das Hexenbäumle, eine verkrüppelte Forche, den sieben Winden und allen Wettern ausgesetzt. In der Walpurgisnacht hatten sich hier die Hexen und bösen Geister getroffen.“

Die Geschichtsforschung gibt den Hinweis auf einen Ritter Konradin als Vertreter des Ortsadels mit Stammburg im direkten Zusammenhang zu Obernheim in folgendem Wortlaut: “Ein ‘Konrad von Obernheim’ siegelte in einer Urkunde am 28. August 1281 mit ‘K. v. O.’ und erscheint damit als der erste Vertreter des Ortsadels. Diese seine Stellung verdankt er wohl den Hohenbergern in deren Diensten er und seine Vorfahren wohl gestanden sind, als sogenannte Dienstmannen. Später wurden sie Ritter geheißen. Das Geschlecht derer von Obernheim hatte seinen Stammsitz auf einem Hügel bei Obernheim … sie übten im Namen der Hohenberger die Gerichtsbarkeit aus und fällten sogar Todesurteile.”

Besen

örtliche Erwähnungen

 

Der “Heuberger Bote” berichtet 1886 von einem “Fastnachtsspiel” im Gasthaus “Lamm”.

1895 steht in der Pfarrchronik: “… In der Fastnacht wurde von den Demokraten ein Fastnachtszug veranstaltet, wobei ein Mensch in das Gewand eines Mönchs gekleidet, mit einer Eselsmaske auf dem Kopfe die Hauptfigur bildete …“.

Die Fasnet 1928 wird vom Turnverein “Gut Heil” organisiert. Am Umzug nehmen ein berittener Herold, die Musik, ein Festwagen mit Prinz Karneval, Vorstand, Ausschuß, Fähnrich sowie Turner und Festdamen teil. Im Protokollbuch steht: “… Der Zug bewegte sich durch den Ort, fand übergroße Bewunderung und so zogen wir alle alt und jung zum Rathaus…“.

Die Fasnetsaktivitäten der 20-er- und 30-er-Jahre stehen unter Regie des Turnvereins. Die beliebten „Kappenabende“ in den Gaststätten sind zugleich Beginn der Saalfasnet.

1936 gestalten Militärverein, Turn- und Sportverein, Gesangverein und der Musikverein das närrische Programm und einen Fasnetumzug mit anschließendem Hexenprozeß und Hexenverbrennung.

Am 7. Februar 1937 beginnt die “organisierte Fasnet” im Ort. Es werden “öffentliche Faßtnachtsveranstaltungen” im Adlersaal aufgeführt. Auf der Stühl findet ein Hexentanz und Hexengericht mit anschließender Erhängung der verurteilen Hexe am Galgen statt.

Im Februar 1938 wird eine große „Volksfasnet“ abgehalten. Auf der Stühl findet das “Historische Hexengericht” mit anschließender Hexenverbrennung statt. Ein Zeitungsartikel vom 3. März 1938 berichtet: „Die Hexe Sibella vom Rebberg kam ihren Verpflichtungen nicht nach und wurde vom hohen Hexengericht verurteilt zu Folterqualen und als sie sich nicht bekannte zum Tode auf dem Holzstoß. Mit schadenfroher Freude tanzten die Hexen um die brennende Hexe…“.

Örtliche Erwähnungen
Örtliche Erwähnungen
Besen

Entstehung der Gestalten:

Die Namensgebung der Hexe “Unholda Moserin”, als eine Fantasiegestalt, lässt zwei Elemente erkennen: “Unholda” wird von Unhold abgeleitet. “Moserin” ist eine Erweiterung des im Ort häufig vorkommenden Nachnamen “Moser”.
Die alten Obernheimer Bürger können bestätigen, dass in ihrer Jugend an der Fasnet “gehext” wurde. So gewinnt die ortsübliche Redewendung “Ma goht ge Hexa” die Dimension einer historischen Aussage. Der einfache Bürger trug abgetragene Kleider von der Mutter oder der “Ahne” aus dem häuslichen Fundus, verhüllte das Gesicht mit einem “Vorhängle” und zog eine “Schlutte” an.

Entstehung der Gestalten
Entstehung der Gestalten

Aus dem Jahre 1938 liegt ein Briefwechsel mit dem Elzacher Maskenschnitzer Fritz Disch vor, aus dem hervorgeht, dass er 10 Hexenlarven sowie eine Teufelmaske aus Lindenholz angefertigt hat. Mit der Schaffung der Hexenmaske hat die Textillarve aus Vorhangstoff, wie sie damals üblich war, ausgedient.

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