Die Zunftstube der Hexenzunft Obernheim:

Zunftstube

Durch einen glücklichen Umstand im Jahr 1976 fand die Hexenzunft beim Umbau des Rathauses im Dachgeschoss des Neubauteiles eine Bleibe. Die Jahre zuvor fanden die Sitzungen des Gremiums im Rektorat der Schule statt weil eben Rektor Nolle seinerzeit Zunftmeister war. Die zugegeben noch etwas spärlichen Unterlagen wanderten bei der Neuwahl eines neuen Gewährträgers von Haus zu Haus. Dies hatte ab 1977 ein Ende. In dem geräumigen Dachgeschoss konnten die Verantwortlichen nicht nur eine schmucke Zunftstube einrichten. Es blieb auch Raum für ein umfangreiches Archiv und einer kleinen Küche.

Hier tagen nun Zunft- und Hexenrat im monatlichen Rhythmus und entscheiden so über das Wohl ihrer Mitglieder und Hexenschar.

Doch nicht nur über Sitzungen der HZO, auch über allerlei Besprechungen, Ausstellungen und kleinere geselligen Veranstaltungen könnte der Raum uns viel erzählen.

Zunftstube

Der Zunftrat

Zunft- und Hexenrat

Die Fasnetsfiguren der Hexenzunft Obernheim:

Die Schlutt

Prinzipiell ist es von der Zunft erwünscht, individuelle Häser zu schaffen. Jedoch sollte eine grobe Häsordnung das Aussehen bestimmen. Lediglich in einigen Punkten wird dem Hästräger Spielräume zugelassen insbesondere bei Applikationen und Verzierungen.
Folgende Merkmale werden festgelegt.

Allgemeines: Stoffe:
Leinenstoffe, Samt, Seide glänzend oder Stumpf
Verzierungen:
an Kopfputz, Oberteil oder Schultertuch wie Perlen, Bordüren, Krönchen, Stickereien, Knöpfe etc.
Farbwahl:
prinzipiell sehr dunkle Farben
Vorzugsweise schwarz und grau bedingt: dunkelrot, -grün, -blau, vorzugsweise Gemustet (siehe Stoffmuster)
Kopfputz: Der Kopfputz war zumeist eine Festtagshaube, die den ganzen Kopf umfasste. Die Festtagshaube sollte vorzugsweise aus Samt gemacht werden und Verzierungen mit Perlen, Bordüren oder einem Krönchen versehen werden.
Maske: Als Maske dient wie früher üblich ein Vorhang aus Gardinenstoff.
Dieser ist nicht nach unten offen sondern sollte rundherum geschlossen sein. Der Gardinenstoff sollte vorzugsweise cremefarben und weitestgehend blickdicht sein
Oberteil: Das Oberteil ist wie früher bei Sonntagskleidern auf Taille geschnitten.
Es besteht aus Leinen- oder auch Samtstoff und beinhaltet als weiteres Merkmal ein ausgeprägtes Schösschen (Schlutte).
Ein Ton in Ton gemusterter schwarzer Stoff kann verwendet werden; Verzierungen an den Ärmeln oder dem Vorderteil sind möglich.
Rock: Der Rock ist schlicht aber auch weit geschnitten, damit die Hästräger auch nicht beim Laufen gehindert werden. Der Rock ist knöchellang zu tragen. Die Farbe des Rockes soll dieselbe Farbe wie das Oberteil haben. Unter dem Rock wird die Hexenunterhose nicht sichtbar getragen.
Schultertuch: Das Schultertuch ist schwarz gehäkelt, oder aus schwarzer Spitze mit Applikationen sein.
Handschuhe: gestrickte schwarze Handschuhe
Schuhe: geflochtene Strohschuhe
Strümpfe: knielange Baumwollstrümpfe in schwarz, grobstrick
Schürze: Die Schürze kann von dem Schwarzton abweichen, sollte aber in sehr dunklen Farbtönen, (mit schwarz gemustert) gehalten werden.
Weiterhin kann der Schurz mit satinierten Stoffen und Einfassungen (Bordüren,Bändchen) vom Rock abgehoben werden
Besen/Korb Favorisiert wird der Besen um auch als „Hexe“ erkannt zu werden und nicht als „Alte Frauen“ verwechselt zu werden. Ein geflochtener geschlossener Korb ist ebenfalls zugelassen.
Hexengruppe der HZO
Hexengruppe der HZO

Die Hexe

Die Hexe ist Hauptgestalt der Obernheimer Fasnetszene aufgrund ihres geschichtshistorischen Hintergrundes ist sie unumstritten. Gerade in den letzten Jahren erleben Hexen eine Epoche besonderer Beliebtheit. Bei der HZO wird der Qualität eine bedeutende Rolle beigemessen. In der Literatur ist die Hexe mit ihrem mythisch-sagenhaften Wesen zurück bis 1506 nachgewiesen. Belege der Hexenfasnet aus dem 19. Jahrhundert finden wir in der Presse und in Kirchenbüchern. Die ersten aus Lindenholz geschnitzten Hexenmasken wurden in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts angefertigt.

Die Obernheimer Hexen, über 800 gestempelte, handgeschnitzte Masken sind registriert, unterscheiden sich in ihrem äußeren Erscheinungsbild allenfalls durch das auf wenige Farben festgelegte Häs und insbesondere durch Ihr Schultertuch. Diese Besonderheit ist gleichzeitig aber auch der absolute Stolz einer Hexe. Handbestickt auf Leinenuntergrund mit Motiven aus der Fasnet, der Gemeinde Obernheim oder der heimischen Flora stellt das Schultertuch eine einmalige Kostbarkeit dar.

Der Teufel

Unverkennbar und dominant in seinem Auftreten ist der Obernheimer Teufel weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt.

Vielleicht, weil es eine Einzelfigur ist, steht ihr diese herrschende Rolle im fastnächtlichen Spiel, als Oberster und Anführer aller Hexen, zu. Die Maske in ihrer Einzigartigkeit im süddeutschen Raum übt beileibe keine Schauer auf den Betrachter sondern vielmehr Erstaunen ob der Freundlichkeit der Gesichtszüge, aus.

Auch diese Maske ist keine Neukreation. Sie wurde zusammen mit den ersten Hexenmasken im Jahr 1938 angefertigt. Zweigeteilt in rot und schwarzer Farbe sind Jacke und Hose. Auf der Brust trägt der Teufel links und rechts ein handgesticktes Hexenfeuer.

Nicht zuletzt gehört zum Teufel als Insignum die zweizinkige Gabel und das Teufelbuch.

Teufel der Hexenzunft
Hofkapelle

Die Hofkapelle

Von der Fasnet nicht wegzudenken ist die Musik im allgemeinen. Ganz speziell für Umzüge gehört eine Musikkapelle einfach dazu. Die zig tausend Narren landauf und landab tanzen einfach nach den Klängen der Musiker.
Wenngleich es bei uns keine Narren gibt und Hexen sich in aller Regel nicht bändigen lassen und ihre Freiheit zur Umtriebigkeit voll auskosten, gehört auch Musik zur Obernheimer Fasnetstradition. Die Hofkapelle, wie könnte es anders sein, ist die örtliche Musikkapelle vom Musikverein “Lyra”.

An der Fasnet sind diese Musiker nicht in ihre schmucken Anzüge gekleidet. Sie tragen, nach geschichtlichen Hintergrund früheren Fanfarenbläsern zugeordnet, ein Sakko mit knielangen Hosen, Kniestrümpfe und einen Hut. Bei allen wichtigen Auftritten begleitet die Hofkappelle die große Hexenschar.

Nicht nur an der Fasnet unterstützen diese Musiker die Fasnet. So hat der Musikverein “Lyra” Obernheim einen Großteil der Narrenmärsche auf den beiden Narrenmarsch-CD’s der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte eingespielt.

Die Gerichtsbarkeit

Was wäre ein Gerichtsverhandlung ohne Richter. So gehört auch zum historischen Hexenprozess ein Oberrichter und zwei Schöffen. Der Oberrichter ist ein von der Hauptversammlung der HZO gewähltes Mitglied, welches seinerseits dann die beiden Schöffen auszuwählen hat.
Selbstverständlich tritt dieses Gericht nur zur Verhandlung beim närrischen Schauspiel am Fasnetsonntag in Obernheim. Hierbei haben Sie über die Anschuldigungen des Ritter Konradin gegenüber der in Ungnade gefallenen Hexe „Unholda Moserin“ zu befinden.

An Umzügen vervollständigt dieses Gericht das gesamte Bild des Hofstaates mit seinen Landsknechte sowie der Folterhexe.

Narreneltern

Die Narreneltern

Claudia Eppler und Markus Wittmer führen die Kinder durch die diesjährige Fasnet.

Sie sind bei der Kinderbefreiung am Schmotzigen dabei und gestalten den Fasnetsmeetig in der Festhalle.

Als sich Olaf und Christine Kerstädt im Jahr 2007 nach 6 Jahren als Narreneltern für eine weitere Fasnet nicht mehr bereiterklärten, waren die Zunftverantwortlichen in der Bredoullie bei der Suche nach einer geeigneten Nachfolge. Da erklärten sich die beiden Obernheimer Vollblutnarren Günther Moser(Elektromeister) und Berthold Moser, beide in Zunftratsverantwortung, bereit als Narreneltern aufzutreten.

Verständlicherweise baten sie heuer nach nunmehr 9 Jahren in dieser Narrenrolle, darum für sie Ersatz zu suchen. Es sollte möglichst wieder ein Paar sein, welches in das Häs von Narrenmutter und Narrenvater schlüpft. Der Narrenvater von Obernheim ist nicht zu vergleichen mit dem Narrenvater andernorts, wo die Bezeichnung für den obersten aller Narren verwendet wird. In Obernheim hat der Narrenvater, früher als Einzelfigur aufgetreten, eine lange Tradition. Er wird bereits in den Protokollen von 1937 erwähnt.

Markus Wittmer ist bei der Obernheimer Fasnet kein unbekannter. Seit frühester Kindheit zieht er sich das Hexenhäs über und hat wenn Bedarf ist, sein „Akkordeon“ in greifbarer Nähe.

Etliche Jahre hat er als Landsknecht gedient. Claudia Eppler ist in der Obernheimer Fasnet erst seit wenigen Jahren aktiv, hat aber närrisches Blut in ihren Adern. Zusammen zeichnen sie für die optische Gestaltung der Fasnetszeitung „Hechel“ verantwortlich.

Als Narreneltern ist es ihre vornehmste Aufgabe, den Narrensamen am Fasnetmontag beim Kinderumzug anzuführen und anschließend den unterhaltsamen Teil beim Kindernachmittag in der Festhalle zu gestalten. Bereits am Schmotzigen werden sie bei der Befreiung der Kinder in Schule und Kindergarten mit dabei sein. Ihren ersten diesjährigen Auftritt haben die Beiden jedoch bereits am kommenden Montag (20.2.). In der Grundschule werden sie für einen Vormittag beim Brauchtumsunterricht pädagogische Aufgaben erfüllen.

Der Hofstaat

In Anlehnung an frühere Adlige des Orts bzw. der ehemaligen Burg nahe Obernheim gehört zum Fastnachtsbrauchtum in Obernheim ein Ritter mit seinem Gefolge. Dieser Ritter, genannt „Konradin“, klagt als Souverän im Narrenfreistaat Oberhan im närrischen Schauspiel mit dem Hexenprozess die Hexe „Unholda Moserin“ an.
Neben dem Ritter Konradin und seiner Gemahlin oder auch Burgfrau bezeichnet besteht der Hofstaat aus 6 Hofdamen, 8 Burgfräulein und 6 Landsknechten. Diesen kommt die Aufgabe zu die des Pakts mit dem Teufel bezichtigte Hexe Unholda Moserin vor Gericht zu führen.

Ritter und Burgfrau sind jährlich gewählte Mitglieder aus den Reihen der Zunft. Sie suchen sich Ihr Gefolge zusammen. Der gesamte Hofstaat ist gekleidet in historisch nachempfundenen Kleidern und Häsern, trägt keine Masken.

Ritterpaar, Hofstaat und Landser
Unholda, Landsknechte und Richter
Besen

Das Hexeneck

In den Köpfen der Zunftoberen wurden die Wünsche und Vorstellungen zur Verwirklichung eines Narrenbrunnens nach dem grandiosen Narrentreffen in Verbindung mit dem 50 jährigen Vereinsbestehen im Jahr 1989, immer konkreter. 1992 deutete auch alles darauf hin, dass es in der Ortsmitte einen Brunnen mit den Obernheimer Fasnetgestalten geben könnte. Mit dem Künstler Günther Dietrich aus Inzighofen war man sich einig. Ein Modell war bereits fertig. Es kam anders. Anstelle des Narrenbrunnens schuf der Künstler im Auftrag der Gemeinde einen in Bronze gegossenen Schäfer mit Hund und 2 Schafen als Erinnerung an dien Schafhalterei auf dem Heuberg.
Die Zunft suchte weiter nach einem geeigneten Ort. Diesen fand man schließlich an der Hauptstraße. Wenige Meter vor dem Ortsausgang Richtung Wehingen hatte die Gemeinde eine Grünfläche, welche sich zur Umgestaltung anbot. Nurmehr sollte es kein Brunnen werden, da Wasser in Obernheim ohnehin eine Kostbarkeit ist, welche eingekauft werden muss.
Künstler Dietrich schuf eine Nachbildung des Hexenbühls mit den tanzenden Hexen um den Hexenbaum. Alle Elemente dauerhaft in Bronze gegossen, stellt jedes für sich ein echtes Kunstwerk dar.
Die Kosten der Figuren und deren Aufstellung hat die Hexenzunft getragen. Von der Gemeinde wurde der gestaltete Pflasterplatz zur Verfügung gestellt. Bei der Gestaltung der restlichen Grünfläche hat die Zunft kräftig Hand angelegt. Am 11. und 12. Juni 1994, im Rahmen eines Übergabefestes, wurden die Figuren der Gemeinde Obernheim und somit der Öffentlichkeit übergeben. Mit diesem größten Projekt der Vereinsgeschichte hat die Hexenzunft einmal mehr den Stellenwert der Hexenfasnet in Obernheim und auf dem Heuberg untermauert und bietet den Einheimischen und auswärtigen Gästen einen bleibenden Blickfang an der Ortsdurchfahrt.

Hexeneck
Besen

Die Hexenbank auf dem Hexenbuckel

Im Jahr 1974 wurde die Hexenzunft Obernheim in die Vereinigung schwäbisch alemannischer Narrenzünfte aufgenommen. Bereits fünf Jahre später durfte sie Gastgeber des Narrentreffens der Fasnetlandschaft Neckar-Alb sein. Diese drei Tage in Obernheim waren erfolgreich. Danach hatten sich die Zunftoberen vorgenommen Gelder für eine bleibende Einrichtung freizumachen.
Ein Narrenbrunnen war seinerzeit noch eine Nummer zu groß. So wurde auf dem sagenumwobenen Hexenbühl um das Hexenbäumlein eine siebeneckige Bank errichtet. Auf einem Betonsockel ist eine Relieftafel mit einem kurzen Beschrieb zu dieser historischen Stätte eingelassen. Im September 1982 wurde die Anlage durch den damaligen Präsidenten der Vereinigung schwäbisch alemannischer Narrenzünfte, Herrn Karl Dilger, enthüllt und der Öffentlichkeit übergeben. Den Rahmen hierzu bildete das Familientreffen der Fasnetlandschaft Neckar-Alb.
Dem Wanderer und Gast bietet die Ruhebank eine herrliche Panoramaaussicht über die Schwäbische
Alb. Die gegossene Tafel erinnert an die ersten urkundlichen Erwähnungen: „Hexenbühl zu Obernheim auf dem Heuberg, 970 Meter über dem Meer. Erste urkundliche Erwähnung 1506 als Versammlungsort der Hexen und Unholde aus allen sieben Winden mit ihrem obersten dem Teufel, um des Nachts ihr Unwesen an Menschen und Tier zu treiben. Vom Hexenbäumlein als Mittelpunkt der Hexentänze berichtet die Chronik 1589,,, es habe niemals Laub getrieben obgleich es immer grün gewesen. Die Hexe, Hauptgestalt der Hexenzunft Obernheim e.V. ist seit 1895 nachgewiesen.“

Besen

Haus der Vereine

Haus der Verine

Seit über 35 Jahren wird das ehemalige Obernheimer Schulhaus gegenüber der Kirche von örtlichen Vereinen als Probe- und Lagergebäude genutzt. In den Jahren 1984 bis 1986 hat die Gemeinde Obernheim dieses Gebäude grundlegend renoviert und in den einzelnen Klassenräumen den ursprünglichen Zustand wieder hergestellt. Nach der Umbaumaßnahme erhielt das Gebäude seinen heutigen Namen „Haus der Vereine“. Neben der DRK-Bereitschaft mit einem Übungs- und Schulungsraum, der Männergesangverein „Harmonie“ und der Musikverein „Lyra“ mit ihren Probelokalen, fand auch die Hexenzunft eine dauerhafte Bleibe.

Die Hexenzunft konnte sich im Dachgeschoss Räume ausbauen. Hier lagert nun die Roh- und Fertigware für das Obernheimer Hexenhäs sowie alle historischen Gewänder. Die fastnächtlichen Requisiten fanden ebenso einen Platz wie die technischen Ausstattungs- und Dekorationsgegenstände für die Festhalle. Und nicht zuletzt ist auch das Verkehrs- und Absperrgerät für den Fasnetumzug darin untergebracht.

Für die Hexenzunft ist es ein Glücksfall neben der Zunftstube auch im Haus der Vereine gemeindeeigene Räume nutzen zu können.

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